Kinderapotheke

von Dr. Gloria Kozel

Dieser kleine Ratgeber für akute Situationen soll Ihnen helfen, rasch zu handeln. Mit Absicht finden Sie hier KEINE Arzneien für Angina, Mittelohrentzündung, Bronchitis u.dgl. – denn da ist der persönliche Kontakt zu Ihrem homöopathischen Arzt/Ärztin unbedingt vonnöten!

Auch werden hier keine Arzneien für chronische Krankheiten, wie Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, Schlafstörungen, Bettnässen, kindliche Migräne, Fieberkrämpfe, Nabelkoliken, Verstopfung…. angeführt; da ist es notwendig, das sogenannte chronische Mittel für Ihr Kind individuell zu finden.

 Infekte

 

Aconitum, blauer Eisenhut

Sie haben Ihr Kind abends noch gesund niedergelegt; rund um Mitternacht erwacht es mit Fieber, Ohrenschmerzen oder einem trockenen Husten. Das Gesicht wirkt ängstlich, ist blass und fühlt sich heiß an; noch kein Schweiß im Fieber. Verlangen nach kaltem Wasser. Überempfindlichkeit von Berührung, Licht und Geräuschen. Ängstliche Unruhe.

Aconit ist die erste Arznei für den beginnenden fieberhaften Infekt. Wichtig ist das plötzliche Erscheinen der Symptome, oft nach einem Aufenthalt im Freien bei kaltem Wetter oder Wind.

 

Belladonna, Tollkirsche

Alles an Belladonna ist rot, heiß und brennt wie Feuer –  der Hals, das Ohr, die Haut im Fieber. Plötzliches Mittel wie Aconit, aber viel heftiger, dramatischer. Beginn der Beschwerden vor Mitternacht, mit hohem Fieber, manchmal Fieberdelir. Die Kinder sehen nicht selten schwarze Gestalten, große schwarze  Hunde. Viel Schweiß im Fieber, trockener Husten. Heißer Kopf, kalte Hände und Füße.

Bei Magen/Darminfekten kann Belladonna sehr hilfreich sein, wenn Sie beobachten, dass sich Ihr Kind in den Schmerzen nach hinten durchbiegt. Der Bauch ist empfindlich auf Berührung.

 

Bryonia, Zaunrübe

Im Gegensatz zu Aconit und Belladonna entwickeln sich bei Bryonia die Beschwerden langsam. Das Kind wacht in der Früh schon krank auf; es möchte in Ruhe gelassen werden. Auffallend: grantige Stimmung! Alles ist trocken: der Hals, der Husten, die Haut – viel Durst.

 

Ferrum phosphoricum

Erkältung, Ohrenentzündung, Durchfall oft im Sommer, die Erkrankung verläuft in Wellen – jetzt sind Schmerzen da, das Kind schreit laut auf – dann sind die Schmerzen weg und Sie merken gar nicht, dass das Kind so hoch fiebert, es spielt weiter, hat rote Bäckchen. Wenig Schweiß im Fieber.

 

Sambucus nigra, Holunder

Trockener (!) Schnupfen mit verstopfter Nase bei Säuglingen, was Stillen/Flasche schwierig macht – das Kind kriegt keine Luft! Heiserkeit mit Husten, Schweiß nur während der wachen Stunden. Kalte Füße.

 

Gelsemium, gelber Jasmin

Kopfschmerzen, Schwindel mit Benommenheit, rotes Gesicht, Schüttelfrost – dann hohes Fieber, das aber nur im Kopf empfunden wird – Kopfgrippe. Wenig Durst im Fieber.

 

 

 Spongia, Meeresschwamm

Der Infekt, der Spongia braucht, beginnt mit Heiserkeit und pausenlosem Räuspern.  Dann folgt ein trockener, bellender Husten beim Einatmen, Krupphusten rund um Mitternacht. Das Kind hält sich wie bei Aconit  den Hals beim Husten. Nachtschweiß, Erstickungsanfälle, Besserung des Hustens durch warme Getränke.

 

Drosera, Sonnentau

Bellender, trockener Husten mit schnell aufeinanderfolgenden Anfällen. Gerade dann, wenn Sie das Kind abends niederlegen wollen, fängt es unaufhörlich zu husten an, es erbricht bei den Hustenattacken, kalter Schweiß.

 

Phytolacca, Kermesbeere

Sehr  schmerzhafte Halsentzündungen! Schlucken tut enorm weh. Schauen Sie in den Hals, sehen Sie dort einen dunkelrot/violetten  Rachen und geschwollene Mandeln mit einem meist grauen Belag. Besserung der Halsschmerzen durch Lufteinziehen bei geschlossenen Zähnen.

 

Nux vomica, Brechnuß

Die schlechte Zeit von Nux vomica ist in der Früh: Beginn des Magen/Darminfektes mit enormer Übelkeit, bitterem Mundgeschmack, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, heftige Kopfschmerzen. Durst auf kühle Getränke. Der Druck vom Hosenbund wird nicht ertragen. Große Kälteempfindlichkeit.

Die Stimmung ist gereizt, ungeduldig.

 

Ipecacuanha, Brechwurzel

Sollte Ihrem Kind nach einer Kinderparty plötzlich übel sein und muss es öfters erbrechen, denken Sie an Ipeca – Ursache: durcheinanderessen?! Auffällig: saubere Zunge.

 

Colocynthis, Koloquinte

Häufig nach Unterkühlung (oder Ärger) plötzlich einsetzende, heftige kolikartige Schmerzen im Bauchbereich bei Magen/Darminfekten, Blasenentzündungen. Das Kind krümmt sich zusammen in den Schmerzen, Zusammenkrümmen bessert auch die Schmerzen! Besserung durch Wärmflasche und festen Druck. Grantige Stimmung.

 

Dioscorea, wilde Yamswurzel

Heftige, krampfartige Schmerzen im Bauchbereich bei Magen/Darminfekten, Nabelkoliken. Im Gegensatz zu Colocynthis versucht das Kind die Schmerzen zu vermindern, indem es sich zunächst ausstreckt und am Höhepunkt der Schmerzen wie bei Belladonna nach hinten biegt. Die Schmerzen treten anfallsweise auf.

 

Podophyllum, Maiapfel, Entenfuß

Wässriger, grün-gelber schmerzloser Durchfall vorwiegend im Sommer, oft zwischen 4 und 5 Uhr früh. Entsetzlicher Geruch des Stuhls!

 

Carbo vegetabilis, Holzkohle

Magen/Darminfekt  mit exzessiven Blähungen, der Oberbauch ist aufgetrieben. Schmerzhafte Durchfälle. Das Gesicht ist sehr blass, kalt schweißig, die Nase erscheint spitz. Obwohl das Kind sehr leicht fröstelt und gut zugedeckt liegen möchte, werden die Beschwerden  besser an der frischen Luft – lüften!

 

Arsenicum album

Extrem starke Übelkeit und  Erbrechen, meist gleichzeitig (!) mit Durchfall. Anblick oder Geruch von Speisen ist unerträglich. Großer Durst nach kaltem Wasser in kleinen Schlucken, das aber nicht behalten werden kann. Brennende Magenschmerzen, Kälteempfindlichkeit. Unruhe, ängstliche Stimmung.

 

Dulcamara, Bittersüß

Erkältungen nach  Abkühlung oder Temperaturwechsel (Flugzeug, Klimaanlagen) oder wenn Ihr Kind „vergessen“ hat, nach dem Baden eine trockene Badehose anzuziehen – häufiger Harndrang – beginnende Blasenentzündung?

 

Cantharis, spanische Fliege

Auch hier: häufiger Harndrang, eventuell Abgang von etwas Blut. Auffällig: es brennt vor/während und nach dem Urinieren.

Geben Sie die Arznei in der D 12 stündlich – sollten sich die Beschwerden aber nicht innerhalb von 2-3 Stunden wesentlich bessern – bitte ehestens einen Arzt aufsuchen!

 

 Insektenstiche

 

Apis, Honigbiene

starke wässrige helle Schwellung der Haut nach Insektenstichen, stechende, brennende Schmerzen, besser durch kalte Anwendungen. Ohrenschmerzen – heftig stechend und brennend – beginnen am Nachmittag – Achtung: Klinische Kontrolle ist dringend notwendig, sollten sich die Ohrenschmerzen nicht innerhalb von 2 Stunden bessern!

 

Ledum, Sumpfporst

Nach einem Insektenstich bleibt  die betroffene Stelle lange blau verfärbt, die Haut fühlt sich kalt an. Ledum hat lokale Besserung durch Kälte, obwohl das Kind insgesamt fröstelt.

 

 Verletzungen

 

Arnica

sollte in keiner Kinderapotheke fehlen, Arnica ist das erste Mittel bei blutigen Verletzungen: Abschürfungen, Schnittwunden, Nasenbluten nach einem Schlag, Prellungen, Verrenkungen.  Auf den Spielplatz oder zum Sport mitnehmen!

 

Bellis perennis, Gänseblümchen

Bellis ist das ideale Mittel für Verletzungen mit tief liegenden Blutergüssen – Schläge, Stürze, Verstauchungen, Zerrungen, Verrenkungen und Quetschungen. Zwei Kompositen – zwei Anwendungsbereiche: oberflächliche Blutungen brauchen Arnica, tiefe Blutergüsse – Bellis.

 

Calendula, Ringelblume

ist eine oft verwendete Arznei für offene Wunden, die nicht heilen wollen und leicht eitern, z. B. bei Riss – Schnitt – Schürf – oder Quetschwunden. Der Schmerz wird außerordentlich stark empfunden.

 

Symphytum, Beinwell

Die Arznei begleitet schlecht heilende oder komplizierte Knochenbrüche, stark stechende Schmerzen an der Bruchstelle auch noch nach Verheilen der Wunde, Achillessehnenverletzungen.

 

 

Ledum, Sumpfporst

hilft nicht nur bei Insektenstichen, Tierbissen, sondern auch bei tiefgehenden Wunden und Stichverletzungen – so z.B. durch rostige Nägel, die tief in den Fuß eingedrungen sind. Wunden bei Ledum sind im Gegenteil zu Calendula nicht sehr berührungsempfindlich.

 

Bryonia, Zaunrübe

hilft auch bei Prellungen, Verletzungen, Verstauchungen, Zerrungen. Auffällig: das Kind möchte in Ruhe gelassen werden, jede kleinste Bewegung verschlechtert die Schmerzen.

 

 Schwierige Zahnung

 

Aconit, blauer Eisenhut

bei deutlich heftigen Schmerzen der Säuglinge – sie weinen und schreien, vor allem nachts. Ängstliche Unruhe, Schlaflosigkeit, Fieber ohne Schweiß, blasses Gesicht.

 

Apis, Honigbiene

Auch hier ist die Nacht die schlechte Zeit – häufiges Erwachen mit schrillem Schreien. Auffällig: Durstlosigkeit!

 

Belladonna – siehe Infekte.

Das Kind erwacht vor Mitternacht mit weit aufgerissenen Augen, sieht erschreckt aus. Das Zahnfleisch ist dort gerötet, wo der Zahn herauskommt, manchmal auch die ganze Zahnleiste.

 

Chamomilla, echte Kamille

Schmerzhafte Zahnung bei Babys – die Arznei wirkt aber nur dann, wenn auch die Stimmung dazu passt: das Kind ist gereizt, zornig, ärgerlich, will herumgetragen werden – dann wieder nicht. Man kann es ihm nicht recht machen!  Auffällig: eine Wange ist rot – dort, wo der Zahn durchbrechen will –  die andere blass. Gelegentlich Bauchschmerzen, häufige, grüne Stühle – riechen wie faule Eier.

 

Mercurius solubilis, Quecksilber

Unzufriedene, unruhige Kinder, sehr viel Speichelfluss, viel und öfter übelriechender Schweiß in der Nacht. Schmerzen vor dem Stuhlgang, Besserung danach; schaumige, schleimige Stühle. Die Kinder reagieren empfindlich auf Kälte und Hitze, fühlen sich nur bei gemäßigten Temperaturen wohl. Weißer Zungenbelag.

 

Nux vomica, Brechnuß

Jammern mit Bestimmtheit, grantige Stimmung, Neigung zu Durchfall oder Verstopfung. Die schlechte Zeit ist in der Früh.

 

Podophyllum, Maiapfel, Entenfuß

Diese Arznei haben Sie bereits bei den Magen/Darm Infekten kennengelernt: schmerzloser gelb-grüner, unheimlich stinkender Durchfall, besonders in der Früh – die Windel quillt über. Das Kind presst vorhandene Zähne fest aufeinander, zusätzlich tritt Fieber auf; glühend rote Wangen.

 

Zur Dosierung der Globuli: die genannten Fieberarzneien wirken in der Potenz D 30 am schnellsten: 5 Globuli in einem Glas Wasser auflösen, schluckweise über mehrere Stunden hinweg trinken lassen. Bei Besserung aufhören, wirken lassen.

Globuli in D 12: 2 – 3x täglich 5 Kügelchen im Mund zergehen lassen.

 

Alle angeführten Mittel eignen sich natürlich auch für Erwachsene bei ähnlichen Symptomen.

Sehr wichtig: sollten sich die Beschwerden nicht schnell verbessern, kontaktieren Sie bitte umgehend den Arzt/die Ärztin Ihres Vertrauens.