Homöopathische Behandlungsstrategie zur Laktoseintoleranz, Fallbericht

Allergien und Unverträglichkeiten nehmen vor allem in den westlichen Industrieländern dramatisch zu. Laut jüngstem Weißbuch der World Allergy Organization sind 30 – 40 % der Weltbevölkerung betroffen; der moderne westliche Lebensstil und beste hygienische Bedingungen scheinen Allergien zu fördern! Dass zu wenig Schmutz und daher wenig Kontakt zu Erregern Allergien fördert, ist schon seit 1989 (David Strachan, London) bekannt, weitere Studien in den 1990er Jahren bestätigen diese Annahme.

Zur Häufigkeit der Nahrungsmittelallergien gibt es noch wenig Daten – eine im Juni 2011 veröffentlichte Studie der Northwestern University in Chicago (Illinois) zeigt auf, dass 8% der Kinder in den USA auf mindestens ein Nahrungsmittel allergisch reagieren. In Deutschland wird der Anteil auf 2-6% geschätzt. Tatsache ist, dass die Zahl der Patienten, die mich wegen Laktose-, Fruktose- oder Histaminintoleranz in der homöopathischen Praxis aufsuchen, immer mehr wird.

Nach Wahl des individuell gewählten, sogenannten chronischen Mittels für diesen Patienten und seine Beschwerden gelingt es in den allermeisten Fällen, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten innerhalb weniger Monate zu bessern/zu heilen.

Lesen Sie dazu einen kleinen Fallbericht:

 Karoline (Name geändert), Physiotherapeutin, 47 Jahre,  kommt Ende März 2009 in meine Praxis – Zuweisungsdiagnose: Laktose-/Histaminintoleranz seit 2 Jahren. Das Spektrum an Speisen, die sie essen kann, ist sehr eingeschränkt. Nach einem Diätfehler – jedenfalls sehr häufig –  entstehen bald darauf große juckende Quaddeln am ganzen Körper sowie drückende Bauchschmerzen.

Bei regelmäßigem Zyklus leidet die Patientin unter starken Hitzewallungen, dazwischen ist ihr leicht zu kalt.  Seit 7 Jahren treten kurz vor und/oder nach der Regel reißende Kopfschmerzen auf. Sie neigt zu Fieberblasen rund um den Mund.

Karoline macht auf mich einen sehr organisierten Eindruck, ein worcoholic. Sie bestätigt meine Wahrnehmung mit der Feststellung, sie musste schon als Kind sehr diszipliniert sein.  Die Patientin ist verheiratet, keine Kinder. „Ich bin ein Gesellschaftstyp, bin gern mit Freunden, aber auch gern zu Hause,“ beschreibt sich die Patientin. „ Wenn mich wer kränkt, dann bin ich beleidigt, vergessen dauert eine Weile.“ An Hobbys zählt sie wandern und turnen auf.

Arzneiverordnung, Verlauf:

auf Natrium muriaticum LM 62x/Woche reagiert die Patientin nach jeder Einnahme mit der Haut in Richtung Urtikaria, wir reduzieren auf 1x/Woche.

Mitte Mai, nach 6 Wochen, sind die Kopfschmerzen rund um die Regel verschwunden, Fieberblasen, Bauchschmerzen und  Hitzewallungen seltener geworden – ein Zeichen, dass die Arznei stimmt, da sie ja alle Beschwerden erfassen soll. Die Hautausschläge nach Diätfehlern zeigen sich jetzt nur mehr rund um die Brust in Form von juckenden roten Flecken, keine Urtikaria – eine Gabe Natrium muriaticum in M Potenz.

3 Tage später ruft mich die Patientin an – „alles bestens!“ Wir warten ab, keine Arznei. Weitere 4 Tage später treten wieder heftige Kopfschmerzen auf, die allergischen Symptome bleiben gebessert. Ich rate Karoline, wieder mit Nat.mur. LM 6 1-2x/Woche zu beginnen. Ende Juni, 3 Monate nach der Erstanamnese teilt mir die Patientin freudig mit, dass sie mit ihrer Familie ohne wesentliche Beschwerden alles mitessen kann!

Da Mitte Juli noch gelegentlich rote Flecken auf der Haut auftreten, entschließe ich mich zur Gabe von Nat.mur. LM 8 jeden2.Tag – Ende Juli kann die Patientin tatsächlich alles essen und das ist auch bis heute, Anfang Jänner 2013 so geblieben.

Dr. Gloria Kozel ist Allgemeinmedizinerin und Homöopathin in Graz.