SCHWERPUNKTTHEMA SCHILDDRÜSE „Meine Lebenssituation engt mich ein“ (Praxis Magazin 11/16)

Vier Frauenkrankengeschichten zum Thema Schilddrüse

Im Dezember 2006 bemerkt Livia (Name geändert) 37 Jahre, eine nicht schmerzhafte, etwa kirschgroße  Vorwölbung am Hals links, es wird ein 16 mm großer, solider warmer Knoten diagnostiziert. Die vorgeschlagene schulmedizinische  Therapie möchte Livia wegen normaler Laborbefunde noch nicht in Anspruch nehmen und fragt mich Ende Jänner 2007 um Rat. Manchmal sind die Patienten mutiger als ich – ich bin überrascht über das Anliegen der Patientin, zumal ich sie erst kurz kenne. Halsumfang zurzeit 35,5 cm.

 

Livia ist von der Wirkung der Homöopathie, die sie bei ihren beiden Kindern erlebt hat, überzeugt und entschlossen, auch für sich diesen Weg zu wählen. Die klinischen Befunde sind nun nicht so beunruhigend, dass ich die Therapie ablehne, aber es ist doch eine Herausforderung,  Funktionsstörungen der Schilddrüse ausschließlich homöopathisch zu behandeln; ich empfinde Glatteis unter meinen Füßen.

In der Anamnese erfahre ich, dass die Patientin schon nach beiden Schwangerschaften (2002 und 2005) das Gefühl hatte, der Hals sei dicker als zuvor.

Zudem empfindet sie sich seit den Geburten reizbarer, nervöser und unruhiger als früher. Mit Entstehen des Knotens kitzelt es anfallsweise im Hals, sie hustet beim Liegen, trotz der vorherrschenden tiefen Dezembertemperaturen reichlich Schweiß Tag und Nacht. Livia schläft zwar gut, fühlt sich aber am Morgen nicht erholt. Starkes Herzklopfen untertags, sehr niedriger Blutdruck. Die Patientin neigt zu Herpes an den Lippen, bei psychischer Belastung auch am Gesäß. Sie hat in der Vergangenheit einige Blasenentzündungen erlitten, in den letzten Jahren werden sie seltener; sie ist aber kälteempfindlich: wenn die Füße kalt werden oder sie zu lange auf einem kalten Stein sitzt,  reagiert die Blase.

Im Gespräch bemerke ich eine freundliche, aber sehr direkte Art – Sepiabestimmtheit  – fällt mir dazu ein. „Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe“, sagt Livia. Sie hat vor einigen Jahren einen 15 Jahre älteren Mann geheiratet, mit dem sie nun zwei kleine Kinder hat. „Ich bin ausgebildete Buchhalterin, sehr ehrgeizig; aber Muttersein ist im Augenblick das Wichtigste für mich.“ Die Patientin hat früher viel Sport betrieben, wegen der Kinder kommt sie nun wenig dazu. Sie handarbeitet gern.

Nach entsprechender Repertorisation entscheide ich mich wirklich für Sepia – wegen vorwiegend organischer Beschwerden Sepia D 30 2x/Woche, Kontrolle nach 1 Monat: „Ich fühle mich viel besser!“ Auch objektiv besser: weniger Schweiß, auch der an den Füßen, von dem sie mir gar nicht erzählt hatte, besser sind Nervosität und  Herzklopfen,  keinerlei Herpes. Livia berichtet, dass bereits nach der ersten Einnahme der Arznei der Hals gedrückt, „gearbeitet“ hat.  Es kitzelt weiterhin im Hals.

Ich belasse die Therapie und bestelle die Patientin nach weiteren 5 Wochen zur Kontrolle: der Blutdruck, vormals sehr niedrig,  hat passable Werte erreicht, weiterhin kein Herpes. Livia fühlt sich gut. Allerdings: „Es kitzelt jetzt den ganzen Tag im Hals!“sagt sie – ich steigere die Potenz der Arznei auf Sepia D 200 mit Wiederholung im Abstand von 3 Wochen.

Ende August 2007, 7 Monate nach Beginn der Therapie ist der Knoten verschwunden! Es finden sich bei der Kontrollszintigraphie keine Auffälligkeiten mehr, Halsumfang vormals 35, jetzt 33 cm.

Kommentar:

Die Schilddrüse reagiert fein auf Überlastungen körperlicher, vor allem aber psychischer Natur. Die eigenartige, spontan getroffene, vermutlich paradoxe Aussage der Patientin: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe“ – weist unbewusst auf eine gewisse Unzufriedenheit hin – möglicherweise hat sie sich das Leben an der Seite eines älteren Mannes anders vorgestellt? Welchen Stellenwert hat die finanzielle  Sicherheit? Sie bewohnen ein Haus außer Graz, sie ist im Augenblick durch die kleinen Kinder recht isoliert, fühlt sich eingeengt und steht unter Druck.

„Mutter sein ist im Augenblick das Wichtigste für mich,“ – wirklich?

Jedenfalls gelingt es mit einer homöopathischen Arznei, innere Spannungen auszugleichen und den Knoten zu beseitigen.

Im Februar 2011, fünf Jahre später, die Kinder sind jetzt neun und sechs Jahre alt, möchte Livia wegen der für sie unklaren Gewichtszunahme von vier Kilogramm eine Schilddrüsenuntersuchung machen lassen – die Laborwerte liegen im Normbereich, kein Knoten. Die Patientin empfindet sich auch nicht mehr eingeengt. Sie hat wieder zu arbeiten begonnen und scheint mit ihrem Alltag zufrieden zu sein

Bei meiner Freundin Maria(Name geändert), 59 Jahre, werden bei einer Routineuntersuchung im Dezember 2008 zwei warme Knoten in der Schilddrüse mit einem Gesamtvolumen von 11 ml gleichzeitig mit einer Hashimoto Thyreoiditis (TPO AK 30) festgestellt;  Halsumfang  34 cm. Die Knoten bestünden, so erzählt Maria, in kleinerem Ausmaß bereits seit 5 Jahren, machten aber keinerlei Beschwerden. Obwohl die Laborwerte im Normbereich liegen, soll eine Therapie mit Euthyrox 50 1×1 eingeleitet werden. Maria fragt mich, ob es vielleicht auch ohne schulmedizinische Therapie gelingen könnte, die Knoten zu verkleinern, bzw. die Entzündung der Schilddrüse zu beruhigen?

Im Anamnesegespräch Mitte Jänner 2009 schildert Maria die möglichen Hintergründe für diese Erkrankung: sie hat einige Jahre ihre alte Mutter gepflegt, die vor kurzem verstorben ist. Es gab sehr viele Diskussionen und Streitereien mit ihren beiden Brüdern, die sich gar nicht um die Pflegesituation gekümmert haben. Maria als einzige Tochter wäre für die Mutter zuständig, war ihre Meinung…..

So erlebte Maria jahrelang Enttäuschungen, manchmal war sie auch ordentlich zornig, dass ihr die Brüder/Schwägerinnen alle Last aufluden. Maria ist ein korrekter Mensch, gewissenhaft, genau, hat sich aber in dieser Situation klarerweise auch durch die Mutter eingeengt gefühlt – wo spürst Du die Einengung? – frage ich. Sie zeigt auf ihren Hals.

Maria ist begeisterte AHS Lehrerin, um die jungen Leute sehr bemüht, ehrgeizig für sie. „Die Schwachstelle war schon immer der Hals,“ sagt sie. „Heiserkeit mit Stimmverlust im Winter ist eine Lehrererkrankung.“

Wenige, unauffällige Vorerkrankungen, Menopause mit 53 Jahren ohne Beschwerden. Die Patientin ist verheiratet, ein erwachsener Sohn.

Maria beschreibt sich als zielstrebig, genau, perfektionistisch, optimistisch, ungeduldig. Sie hat ein schnelles Tempo. Sie geht des Öfteren kritisch mit sich ins Gericht.

Maria spielt gern Golf, die Bewegung tut ihr sehr gut, sagt sie, da kriegt sie den Kopf frei von schulischen Problemen.

Nach Repertorisation der wichtigsten Symptome und der für mich deutlichen Entstehungsursache der Struma mit psychischer Überlagerung verordne ich Lachesis D 200, Wiederholung alle 3 Wochen.

Anfang April 2009, nach 2 ½ Monaten Behandlungsdauer sieht die Sonographie der Schilddrüse unverändert aus, auch der Halsumfang (34cm) ist gleich geblieben – so entschließe ich mich zu Lachesis M im Abstand von einem Monat.

Die Laborkontrolle Ende Juni ergibt weiterhin normale Schilddrüsenwerte, die TPO AK haben sich jedoch von 30 auf 20 reduziert – gering erhöhte TPO AK steht im Befund, an der Diagnose Hashimoto wird schulmedizinischerseits nun gezweifelt!

Maria fühlt sich persönlich sehr wohl unter der Therapie, ich habe aber dennoch den Anspruch, die Knoten weiterhin zu verkleinern, bzw. sie zum Verschwinden zu bringen.

So steigere ich in einem Jahr, bis April 2010 unter gelegentlichen Laborkontrollen die Potenz von Lachesis langsam auf seltene Gaben von 10M, 50M. Die Sonographie der Schilddrüse ergibt zu dieser Zeit nur mehr ein Kalkbrösel im rechten Schilddrüsenlappen, im linken Lappen zwei zystische Veränderungen, nur mehr ein Knoten – na also – Halsumfang jetzt 33 cm.

Dennoch lässt sich Maria unter Druck der Klinik zu einer Schilddrüsenhormontherapie überreden, denn laut mir vorliegendem Arztbrief liegt die Chance auf Verkleinerung des Knotens unter der Therapie in der Literatur  bei 40-60% – Euthyrox 12,5mg 1×1 wird verordnet. Maria und ich beschließen gemeinsam, die homöopathische Therapie zu pausieren.

Nach etwa einem weiteren Jahr, im Februar 2011, wird wieder eine Schilddrüsensonographie durchgeführt: rechts kein Knoten mehr, der Knoten links  zystisch gekammert, in Rückbildung. Die Medikation soll bei normalen Laborbefunden auf Euthyrox 25mg 1×1 gesteigert werden – warum? Das ist nicht logisch für mich…. Maria hinterfragt die Verordnung nicht, sie nimmt sie ein, fühlt sich aber zunehmend nicht im Gleichgewicht. Sie verliert an Energie, an Lebensfreude, nimmt 2 kg zu. Sie ersucht mich um einen neuerlichen Laborbefund im September 2011 – nicht zu glauben – die TPO AK sind auf 109 enorm angestiegen, der Halsumfang beträgt  jetzt 33,5!

Es gelingt mir gemeinsam mit einem schulmedizinischen Kollegen gewissen Ranges Maria von der Unsinnigkeit, bzw. der individuellen Schädlichkeit der Schilddrüsenhormontherapie für sie zu überzeugen. Wir starten wieder mit Lachesis D 200 alle 3 Wochen, setzen Euthyrox ab. Maria fühlt sich bald wieder wohl.

Eine im Februar 2013 durchgeführte Laborkontrolle ergibt Euthyreose, die TPO AK betragen 22 (!), der Halsumfang 32,5. Die homöopathische Therapie mit Lachesis führte letztlich zum Erfolg.

 

Kommentar:

Die Wahl der Arznei erfolgte vorwiegend wegen der Ätiologie – Beschwerden durch Enttäuschung und  Wut. In der Pflege der kranken Mutter hat sich Maria hilflos, verlassen, eingeengt gefühlt. Sie ist eine schnelle Person, ehrgeizig, gewissenhaft, genau, lebenslustig. Sie ließ sich aus Autoritätsgläubigkeit, aus Mangel an Selbstvertrauen – was zur Arznei passt –  von oberer Stelle zu einer Hormontherapie überreden, der Zweifel an meiner Kompetenz machte allerdings nach Intervention einer wiederum oberen, der Methode der Homöopathie gewogenen Stelle großer Dankbarkeit Platz.

Ermutigt durch diese Erfolge wage ich mich weiterhin an die Behandlung der Schilddrüse mit homöopathischen Arzneien. Die nächsten zwei Krankengeschichten zeigen fulminante Erfolge – Heilung in 7 bzw. 4 Monaten:

Eva (Name geändert), 49 Jahre alt, ebenfalls AHS Lehrerin, Ehefrau eines klinischen Kollegen, sucht mich Mitte Juli 2012 wegen einer knotigen Umformung der Schilddrüse auf. Ein Schilddrüsenknoten kleineren Ausmaßes mit zystischen Veränderungen der linken Seite ist seit 5-6 Jahren bekannt. Wegen Größenzunahme desselben wurde kürzlich eine Entlastungspunktion durchgeführt, zytologischer Befund: zystischer und hämorrhagischer Strumaknoten (knotiges Schilddrüsengewebe mit Einblutungen). Kein Hinweis auf Neoplasie (Krebs). Laborbefunde im Normbereich.

Befund Schilddrüsensonographie vom 3.Juli 2012: Der linke Schilddrüsenlappen wird fast zur Gänze von einer zystischen Formation (Inhalt 16 ml)eingenommen. An der Basis solide Anteile, das normale Schilddrüsengewebe erscheint verdrängt und liegt nur in einem kleinen Saum vor.

Aufgrund dieses Befundes drängt der Ehemann der Patientin zur Operation, seine Befürchtung: es könnte aus dem Knoten ja doch einmal Krebs werden!

Die Patientin setzt sich jedoch mit ihrem Wunsch durch, die Schilddrüse – als letzten Versuch vor der Operation – homöopathisch behandeln zu lassen. Der Kollege ist skeptisch, willigt aber ein.

Wie sind die Beschwerden?

Die Patientin zeigt mir linksseitig am Hals einen Knoten in der Größe einer Pflaume – Halsumfang 33 cm. Der Knoten selbst macht keine Beschwerden, Eva leidet jedoch unter Herzstolpern in unregelmäßigen Abständen, unter häufigem Nesselausschlag – Ursache unbekannt – unter gelegentlich  auftretenden Gerstenkörnern.  Die Regel wird dem Alter entsprechend unregelmäßig, es sticht dann im Bauch dort und da. Bei Anspannung im Beruf wird Eva heiser – Lehrerkrankheit oder Schilddrüsenzeichen? Eva isst gern süß, Suppen, Obst, trinkt gern kalte Milch. Fette Speisen lehnt sie ab.

„Ich bin ängstlich, hypochondrisch veranlagt, frage mich oft: kann das Krebs sein? Der Knoten engt mich ein….. Ich liebe Pflanzen, Tiere, hab‘s gern gemütlich zu Hause und dekoriere das Haus mit freundlichen Farben“. Hellsichtige Träume.

Nach der möglichen Ursache der Struma befragt, erzählt die Patientin unter Tränen von häuslichen Kränkungen, Demütigungen – einer einengenden Situation. Sie hat auch das Gefühl, ihre Tochter – jetzt schon erwachsen – vernachlässigt zu haben. Sie macht sich Vorwürfe.

Unter Einbeziehung der lokalen Beschwerden von Seiten der Schilddrüse und Beachtung der Lebensumstände der Patientin entscheide ich mich für Phosphor in der M Potenz. Bei der Kontrolle nach 14 Tagen berichtet Eva von heftigen unangenehmen Träumen, von vermehrtem Herzstolpern; die Schilddrüse pulsiert ständig! Erstaunlicherweise für mich hat der Halsumfang von 33 auf 33,5 cm zugenommen – ich reagiere mit einer einmaligen Gabe von Phosphor 10M.

Kontrolle nach 6 Wochen, Ende August: Gott sei Dank ist der Halsumfang jetzt wieder 1 cm weniger – 32,5! Eva fühlt sich recht wohl. „Es geht mir nervlich besser, bin nicht mehr so ängstlich.“ Kaum mehr Herzklopfen, kein Gerstenkorn, keine Hauterscheinungen.

Ende September 2012, nach einem weiteren Monat wird wieder eine Schilddrüsensonographie durchgeführt. Der zystische Knoten hatte vor 3 Monaten noch 16 ml Inhalt – jetzt nur mehr 8 ml. Wir vereinbaren eine Wiederholung der Arznei Phosphor 10M bei Wiederauftreten der Herzbeschwerden.

Mitte Dezember 2012 berichtet die Patientin von gelegentlichem Herzstolpern – sie hat die Arznei ein Mal wiederholt. Keine anderen Beschwerden, der Halsumfang hat weiter abgenommen:31,5 cm.

Im Februar 2013 möchte mir Eva ihren Hals zeigen und sich persönlich bedanken – der Knoten ist nach sieben Monaten verschwunden, Halsumfang 31 cm! Die Schilddrüsensonographie ergibt einen völlig regelrechten Befund. Keine weitere Therapie.

Ulli (Name geändert) 51 Jahre, braucht Ende Oktober 2012 dringend einen Termin – in einer Woche soll wegen Überfunktion der Schilddrüse eine Radiojodtherapie durchgeführt werden, die sie aber ablehnt und nach einer Alternative sucht.

Was ist die Vorgeschichte? 2006 wurde erstmals eine Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) festgestellt und mit dem Medikament Thiamazol, später bis Jänner 2011 mit Prothiucil behandelt. Später setzte die Patientin diese Therapie eigenmächtig für ein halbes Jahr aus, worauf sich jedoch leider wieder eine hyperthyreote Stoffwechsellage entwickelte. Keine Knoten.

Der Schilddrüsenbefund von Mitte September 2012 ergibt ein sehr niedriges TSH von 0,029 (Normalwert 0,27 – 4,2) die Szintigraphie beschreibt eine: unter Thyreostatika normal große Schilddrüse, peripher euthyreote Funktion.

Ulli ist eine zarte, quirlige, vom Beruf begeisterte Musiklehrerin an einer Hauptschule. Sie fühlt sich trotz Schilddrüsentherapie ungeduldig, grantig, fahrig und empfindlich. Sie weint wegen jeder Kleinigkeit. Die Patientin kann keine mögliche Ursache für die Störung der Schilddrüsenfunktion angeben. Auch meine Frage nach wesentlichen Veränderungen in ihrem Leben im Jahr 2006 oder kurz davor bleibt offen.

Seit einigen Monaten macht ihr zusätzlich ein schnellender kleiner Finger der linken Hand beim Gitarre spielen Probleme. Der Finger ist steif, am schlimmsten in der Früh, Faustschluss nicht möglich.

Die übrige Anamnese ist eher unauffällig – Ulli ist seit eineinhalb Jahren im Wechsel, leidet unter gelegentlichen Wallungen in der Nacht, schläft sonst aber gut.

Vom Wärme/Kälteempfinden ist es Ulli eher leicht zu kalt, sie braucht Socken im Bett. Sie schwitzt, wenn überhaupt, unter der Nase.

Die Patientin beschreibt sich als sehr geduldig, begeisterungsfähig, fleißig, pflichtbewusst, konsequent, umsichtig, vorsichtig, kreativ. Ihre Hobbys sind der Garten, lesen, handarbeiten und natürlich die Musik. Sie ist auf dem Land aufgewachsen, erzählt von einer Kindheit in Freiheit, aber: „Ich hab schon mit 14 Jahren auf meine kleine Schwester aufgepasst, die Mama hat sich verlassen können.“ Die Mutter hat Ulli immer als sehr verantwortungsbewusst, tüchtig und sparsam charakterisiert.

Ulli ist geschieden, hat 2 erwachsene Kinder.

Ich finde die Arznei Natrium muriaticum aufgrund der deutlichen Gemütssymptome, in den Rubriken: Hyperthyreose und Extremitäten/Steifheit Finger ist die Arznei auch vertreten. Wegen der Einnahme von Prothiucil verordne ich Natrium mur. in der Potenz LM 6 1x/Tag. Diese Potenz ermöglicht eine gute Kombination von Schulmedizin und Homöopathie.

Nach einem Monat, Ende November 2012, hat sich der Blutbefund nicht wesentlich verändert – TSH: 0,01. Ulli fühlt sich aber trotzdem sehr wohl, sie ist psychisch viel stabiler, auch der Finger wird besser. Therapie weiter.

Bis Anfang Februar 2013 hat Ulli 2 kg zugenommen, der TSH Wert hat sich normalisiert: 0.82. Wir vereinbaren eine vorsichtige Reduktion von Prothiuzil und eine Kontrolle im Sommer.

Von November 2013 an nimmt die Patientin die nächsten zwei Jahre Natrium muriaticum LM 6 täglich und zusätzlich eine halbe Tablette Prothiuzil. Halbjährliche Kontrollen der Laborwerte zeigen ein zufriedenstellendes Ergebnis, eine Radiojodtherapie wird nie wieder angedacht.

November 2015: das TSH liegt mit 1,76 im Normbereich, wir überlegen, Prothiuzil weiter zu reduzieren, weitere Gabe von Natrium muriaticum. Zu diesem Zeitpunkt sehe ich die Patientin vorläufig das letzte Mal; sie fühlt sich wohl.

Schluss:

 

Bei Schilddrüsenveränderungen sind statistisch gesehen mehr Frauen als Männer betroffen; meine kleine Auswahl an Krankengeschichten ist dahingehend repräsentativ. An der Entstehung einer Struma sind vermutlich psychische Belastungen maßgeblich beteiligt, die die Patientinnen mithilfe der Arznei auflösen – sich von der Einengung befreien – konnten.

Wie Sie zweifelsfrei bemerkt haben, begleiten die homöopathische Behandlung laufende Labor/Sonographiekontrollen; diese sind für meine Therapiesicherheit unbedingt vonnöten.